Ausbildungsmöglichkeiten für Baumpfleger

 

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Rellingen, den 25. Juni 2012

QBB fordert bessere Ausbildungsmöglichkeiten für Baumpfleger

Die qualifizierten Baumpflegebetriebe in Deutschland gehen in die Ausbildungsoffensive: Bei ihrer Mitgliederversammlung am 23. Juni in Starnberg sprachen sich die Mitglieder der Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB) dafür aus, die eigene Fachkräftesicherung zu optimieren und hierfür auch Organe wie den Bundesverband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) mit ins Boot zu nehmen. Die Forderungen: Eine Ausbildungsberechtigung auch für Baumpflegebetriebe, die Bereitstellung von Fördermitteln durch das Ausbildungsförderwerk Garten- und Landschaftsbau (AuGaLa) und die Festlegung von Qualitätsstandards in der Weiterbildung.

Was die Ausbildung angeht, nimmt der Berufszweig Baumpflege in der „Grünen Branche“ eine Sonderstellung ein. Denn „Baumpfleger“ ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf und kann nur im Rahmen einer Fort- und Weiterbildung zum Fachagrarwirt, European Tree Worker (ETW) oder European Tree Technician (ETT) erlernt werden. „Im Gegensatz zu den sechs gärtnerischen Fachrichtungen, die als Ausbildungsberuf anerkannt sind, können Baumpflegebetriebe also keine eigenen Nachwuchskräfte ausbilden. In Zeiten des demografischen Wandels, in denen die Sicherung qualifizierter Fachkräfte mehr und mehr zu einer wirtschaftlich existenziellen Herausforderung wird, ist dies kein haltbarer Zustand“, erläutert Hans Rhiem, Vorsitzender der QBB, den Kern des Problems.

Aktuell ist die Baumpflege der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau angegliedert. Da Baumpflegefirmen im Gegensatz zu den GaLaBau-Betrieben aber nicht selber ausbilden können, haben die Baumpfleger ihren beruflichen Ursprung in anderen Fachdisziplinen wie dem Garten- und Landschaftsbau, dem Baumschulwesen oder der Forstwirtschaft. Auf dieser Grundlage bilden sich die Fachleute eigeninitiativ zum Baumpfleger fort. „Seit etwa 14 Jahren funktioniert das im Prinzip sehr zufriedenstellend. Die Baumpflege hat sich in dieser Zeit gut entwickelt und viel erreicht“, resümiert Rhiem. Dennoch, so der QBB-Vorsitzende weiter, sei es an der Zeit, die Ausbildungssituation zu überdenken und zu optimieren.

Damit auf Worte Taten folgen, hat die QBB den „Arbeitskreis Bildung“ ins Leben gerufen, der seit Monaten damit beschäftigt ist, für alle Beteiligte tragbare Lösungen zu entwickeln. „Ein für uns ganz wesentlicher Punkt ist, dass es in der Fort- und Weiterbildung zum Baumpfleger zwar Lehrpläne, aber keine Mindeststandards gibt, auf deren Grundlage Schulen und Lehrkräfte zertifiziert und kontrolliert werden können“. Das Ziel der QBB: Gemeinsam mit den weiteren zuständigen Verbänden und den Schulen einheitliche Standards zu setzen, an denen die Weiterbildung an jedem Institut gemessen werden kann. „Es muss weitergehen, wenn wir die Baumpflege zukunftsfähig machen möchten“, sagt Frank Chr. Hagen, Mitglied des Arbeitskreises Bildung.

Weitergehen muss es nach Auffassung der QBB auch im Bereich der Ausbildungsberechtigung von Baumpflegefirmen. Einen siebten gärtnerischen Ausbildungsberuf zu etablieren, da sind sich viele Baumpfleger einig, wäre ein zäher und sicherlich langwieriger Prozess. Dennoch möchten sich die qualifizierten Baumpflegebetriebe des Landes nicht länger mit der Situation abfinden, die eigene Nachwuchskräftesicherung nicht selbst in die Hand nehmen zu können. „Uns geht es auch hier darum, einen für alle Seiten funktionierenden Kompromiss zu finden. Daher sind wir im Dialog mit dem BGL als unserem Dachverband und suchen gemeinsam nach einer Lösung des Problems“, so Rhiem.

Das Stichwort lautet Verbundausbildung. Bei diesem Modell könnten GaLaBau- und Baumpflegebetriebe gemeinsam ausbilden. Der Auszubildende bekäme auf diese Weise alle Grundkenntnisse einer landschaftsgärtnerischen Ausbildung vermittelt, würde aber auch einen wesentlichen Teil der Ausbildungszeit im Baumpflegebetrieb verbringen. Die Ausbildung im GaLaBau, so die Überzeugung der QBB, erführe durch diese fachliche Ergänzung eine Aufwertung und wäre so für Nachwuchskräfte zusätzlich attraktiv. „Unsere Vorstellung ist, dass bei dieser Kooperation auch Baumpflegebetriebe ihre eigenen Auszubildenden führen und später in den Betrieb übernehmen können“, betont Rhiem.

Eine weitere Anregung der QBB an den BGL betrifft die Ausbildungsförderung durch das AuGaLa. „Aktuell zahlt jeder Baumpflegebetrieb, der Mitglied im BGL ist, eine Umlage an das Ausbildungsförderungswerk. Wir werden hier wie ein GaLaBau-Betrieb behandelt, mit dem Unterschied, dass die Baumpfleger keine Leistungen vom AuGaLa zurück erhalten. Da wir nicht ausbilden dürfen, gibt es für uns auch keine Ausbildungsförderung in Form von finanzierten Seminaren, Lehrmitteln oder ähnlichem“, kritisiert der QBB-Vorsitzende. Die QBB strebt daher eine Förderung der Baumpflegebetriebe für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zum ETW, ETT oder Fachagrarwirt an.

Im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung setzte sich die QBB unter anderem kritisch mit den Ausschreibeverfahren auseinander. Die Fachbetriebe kritisierten in diesen Zusammenhang vor allem den Trend zur Ausschreibung von Baumpflegemaßnahmen nach VOL. Dies sei eine zweifelhafte Methode, um die bei Ausschreibungen nach VOB notwendige Präqualifizierung der Betriebe zu umgehen und auf diese Weise Billiganbietern Zugang zu den Ausschreibungen zu verschaffen. Dabei sollte es, so die QBB weiter, auch im Interesse der öffentlichen Auftraggeber sein, Baumpflegemaßnahmen nur von qualifizierten Baumpflegebetrieben mit dem entsprechenden Fachpersonal durchführen zu lassen.