Weiterbildungsveranstaltung der QBB 2013

 

Qualifizierte Baumpflegebetriebe nehmen die Herausforderung des Artenschutzes an!

Die diesjährige Schulung der Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB) am 21. und 22. Juni in Münster teilte sich in drei Bereiche: die Standortsanierung eines vom Streusalz geschädigten Baumes, eine Einführung in Arbeitsschutzmanagement und den Arten- und Habitatschutz. Durch Letzteres reagierte die Vereinigung auf die erhöhten Ansprüche, die aufgrund der im aktuellen Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) verankerten Paragraphen 39 und 44 an Baumpfleger gestellt werden.


QBB-Mitarbeiterschulung 2013 in Münster: Dr. Matthias Kaiser bei seinem Vortrag über Arten- und Habitatschutz. Quelle: QBB

Die aktuelle Rechtslage macht es den Baumpflegebetrieben nicht eben leicht: Lässt der § 39 zum allgemeinen Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen im BNatSchG einerseits umfassende Baumpflege- und Fällarbeiten zwischen dem 1. Oktober und dem 1. März und ganzjährig zumindest schonende Form- und Pflegeschnitte zu, kollidieren diese Freiheiten andererseits immer wieder mit den ebenfalls im § 39 und im § 44 verankerten Vorschriften zum Artenschutz. Wie auf diese Diskrepanz angemessen und professionell reagiert werden kann sowie Neues über Standortsanierung von Bäumen und Arbeitsschutzmanagement, lernten die mehr als 100 Mitarbeiter und Geschäftsführer aus den Mitgliedsbetrieben der QBB, die zur jährlichen Schulung und Mitgliederversammlung ihres Verbandes nach Münster gereist waren.

Gefährliches Salz: Standortsanierung eines Baumes

Am ersten Schulungstag brachte die Standortsanierung eines durch Streusalz geschädigten Baumes spannende Erkenntnisse. Die theoretischen Hintergründe vermittelte Dr. Markus Streckenbach, der den Teilnehmern den Aufbau, die Funktion und die Bedürfnisse des Wurzelsystems vermittelte. Nach der Theorie ging es in die Praxis: In Kooperation mit dem Münsterlander Amt für Grünflächen und Umweltschutz – Abteilung Grünflächenunterhaltung, geleitet von Dipl. Ing. F-J. Gövert und Andreas Lambert – sanierten die Baumpflegebetriebe Stockreiter, Ribbrock und Gewers, alle Mitglieder der QBB, den Boden rund um einen durch Salz stark angegriffenen Baum auf dem berühmten Münsteraner Domplatz. Für den technischen Part engagierte sich die Firma Stockreiter, die bei den Abschlussarbeiten sogar noch unliebsamen Kontakt mit einer Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hatte. Aber zurück zur Sanierungs-Aktion: Zur Erhaltung des Baumes trugen die Experten zunächst die oberen Bodenschichten mithilfe eines Saugbaggers der Firma MSD-Klose ab und brachten anschließend ein spezielles Ionenaustauschsubstrat ein, das die Salzbelastung künftig abpuffern soll. Von diesem praktischen Schulungselement profitierten die teilnehmenden Baumpfleger ebenso wie der geschädigte Baum. Zukünftig will die QBB den Sanierungsversuch weiter begleiten, um mit der Stadt Münster ein Konzept zur qualitativen Standortsanierung für den ganzen Domplatz zu erarbeiten.


Für die Bodensanierung trägt ein Saugbagger zunächst die oberen Bodenschichten ab. Quelle: QBB

Abgerundet wurde dieser hochinteressante Schulungstag durch den informativen Vortrag von Torsten Papke von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau. Papke zeigte auf, welche Anforderungen auf Betriebe und Mitarbeiter im Bezug auf Arbeitsschutzmanagement zukommen.

Habitatschutz in der Praxis

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen des Arten- und Habitatschutzes. „Die qualifizierten Baumpfleger nehmen den Natur- und Artenschutz seit jeher sehr ernst. Dennoch stellen uns die Richtlinien im Bundesnaturschutzgesetz in der Ausführung unserer Arbeit vor große Herausforderungen“, erklärt Hans Rhiem, Vorsitzender der QBB. So würden die Paragraphen 39 und 44 von den zuständigen Naturschutzbehörden teilweise sehr unterschiedlich ausgelegt. Darüber hinaus verlangten die Vorschriften von den Baumpflegern Kenntnisse und fachkundige Urteile, die weit über den Brutschutz von Vögeln hinausgehen. „Qualifizierte Baumpfleger und Baumkontrolleure müssen heute in der Lage sein, alle artenschutzrelevanten Sachverhalte am Baum zu erkennen und von Fall zu Fall entscheiden, ob zur näheren Bestimmung der Situation einen Fachmann herangezogen werden muss“, erläutert Rhiem. Aus diesem Grund möchte die QBB ihre Mitarbeiter so schulen, dass sie auch umfassende artenschutzrechtliche Erstprüfungen selber durchführen und ihre Arbeitsweisen dementsprechend anpassen können. „Denn wenn sie dies nicht tun, laufen sie aufgrund der aktuellen Bestimmungen im Bundesnaturschutzgesetz Gefahr, immer wieder mit der Rechtsprechung in Konflikt zu geraten“, so der QBB-Vorsitzende.

Baumpflegebetriebe stehen demnach tagtäglich vor dem Problem, die Verkehrssicherheit und Gesundheit von Bäumen garantieren zu müssen, ohne dass der Artenschutz hierbei verletzt wird. Dafür müssen sie gemäß § 39 und im § 44 zunächst bestimmen, welche Tiere und Pflanzen im und am Baum leben, um anschließend alle Interessen fallspezifisch abzuwägen und die notwendigen Maßnahmen individuell und flexibel anzupassen. Keine einfache Aufgabe, wie auch Dr. Matthias Kaiser betonte, der die Teilnehmer der QBB-Schulung einen Tag lang in Sachen Arten- und Habitatschutz fortbildete. Nach einem einführenden Vortrag ging der Experte daher mit den Teilnehmern der Schulung gleich in medias res: In einer Münsteraner Parkanlage hatte die QBB mehrere Hubsteiger platziert, mit denen die Baumpfleger in die Baumkronen gelangten, um hier unter Anleitung von Dr. Kaiser die im und am Baum lebenden Arten ausfindig zu machen. Hierfür setzen die Fachleute unter anderem spezielle Endoskop-Kameras ein, mit denen Höhlen im Stamm und in den Ästen genauestens inspiziert werden können. „Der Erkenntnisgewinn dieses Schulungstages war für alle Teilnehmer sehr groß und wird ihnen dabei helfen, die Bäume im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes künftig mit noch größerer Sachkenntnis zu untersuchen“, so das Fazit vom 2. Vorsitzenden der QBB, Hans-Hermann Stöteler, der die Schulung in Münster organisiert hat.

QBB Mitglieder sprechen sich für Stärkung des IDB aus

Traditionell war die Schulung der QBB auch in diesem Jahr mit der Mitgliederversammlung der Qualitätsgemeinschaft verknüpft. Neben den Hauptthemen Fort- und Weiterbildung befassten sich die Mitgliedsfirmen mit einem Antrag für eine engere Zusammenarbeit mit weiteren Fachverbänden der Baumpflege. Das Dach soll die Interessengemeinschaft Deutsche Baumpflege (IDB) bilden.

Einig waren sich die Teilnehmer der Versammlung darüber, dass die Einhaltung der Qualitäts- und Sicherheitsstandards sowie die Förderung der Aus- und Weiterbildung absolute Priorität hat und dies auch für den Auftraggeber in Form einer allgemein gültigen Zertifizierung sichtbar sein sollte. Dass dieses Thema auch bei den anderen Baumpflegeorganisationen bereits seit Jahren verfolgt wird, zeigt wie sinnvoll die angeregte, verbändeübergreifende Koordination ist.

Weiterhin bestätigten die anwesenden Geschäftsführer der Mitgliedsbetriebe per Neuwahlen den 1. Vorsitzenden Hans Rhiem ohne Gegenstimme in seinem Amt. Ebenfalls einstimmig beschloss die Mitgliederversammlung die Ernennung der QBB-Gründungsmitglieder Karl Peßler, Gerd Bollmann und Dietrich Kusche zu Ehrenmitgliedern der QBB. Für den im Mai dieses Jahres verstorbenen Karl Peßler wird seine Ehefrau Roswita Peßler-Maurer die Ehrung entgegen nehmen. Gewürdigt wurde auch das langjährige Engagement von Hildegard Stöteler für die Organisation des Rahmenprogramms bei den Mitgliederversammlungen und Schulungen der QBB. Zum Dank für ihre ehrenamtliche Arbeit überreichte Hans Rhiem der Ehefrau des 2. QBB-Vorsitzenden Hans-Hermann Stöteler ein speziell angefertigtes Schmuckstück.


Mehr als 100 Mitarbeiter und Geschäftsführer aus den Mitgliedsbetrieben der QBB waren zur jährlichen Schulung und Mitgliederversammlung ihres Verbandes nach Münster gereist. Quelle: QBB


Das Protokoll der Schulung steht für die Mitglieder zum Download im passwortgeschützten Mitgliederbereich bereit.

Für die Teilnehmer der Veranstaltung haben wir ein Fotoalbum zusammengestellt. Sie können sich die Bilder Ihrer Wahl gern herunterladen.

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